Zielgerichtete Therapie durch JAK-Inhibition: bei vergrößerter Milz und konstitutionellen Symptomen

Als zielgerichtete Therapie für die Myelofibrose stehen sogenannten JAK-Inhibitoren zur Verfügung.1, 2, 3 Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die die Proteinfamilie der Januskinasen beeinflussen. Januskinasen sind für die Steuerung der Zellteilung wichtig. Sie funktionieren im Prinzip wie ein Lichtschalter: Sind sie ausgeschaltet (inaktiv), ruht die Zelle; sind sie eingeschaltet (aktiv), ist dies für die Zelle das Signal, sich zu teilen. Mutationen im JAK2-Gen, das die Bauanleitung für die Januskinase 2 enthält, sind maßgeblich an der Entstehung der Myelofibrose beteiligt: Sie bewirken, dass die Kinase dauerhaft eingeschaltet ist und die Zelle sich somit ununterbrochen teilt.

Wie wirkt der JAK-Inhibitor?

Ein JAK-Inhibitor hemmt die Aktivität der Januskinasen. Diese sind dann nicht mehr in der Lage, der Zelle das Signal für eine Teilung zu geben. Dadurch verringert sich die Anzahl der neu gebildeten Blutzellen. Auch wenn der JAK-Inhibitor die Myelofibrose nicht zu heilen vermag, kann er dazu beitragen, die Überproduktion von Blutzellen einzudämmen und dadurch die Milzgröße zu verringern und andere belastende Symptome einer Myelofibrose wie chronische Erschöpfung und Nachtschweiß zu lindern.1, 2, 4 Bei manchen Patienten scheint er auch das übermäßig gebildete Bindegewebe im Knochenmark zurückzudrängen.1 Interessanterweise wirken JAK-Inhibitoren nicht nur bei Patienten mit einer Mutation im JAK2-Gen, sondern auch bei Patienten ohne eine solche Mutation.4

Wie läuft die Therapie mit einem JAK-Inhibitor ab und was sind die Nebenwirkungen?

Der JAK-Inhibitor ist in Tablettenform erhältlich, die Tabletten müssen täglich eingenommen werden. Die Dosierung kann variieren und der individuellen Therapiesituation angepasst werden. Viele Betroffene sprechen bereits nach einigen Wochen auf die Therapie an. Doch das trifft nicht auf alle Patienten zu. Deswegen empfehlen Experten, die Therapie über einen gewissen Zeitraum fortzusetzen, auch wenn nicht gleich ein Ansprechen spürbar ist.1

Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte, da alle Arten von Blutzellen (also rote und weiße Blutkörperchen und Blutplättchen) von der Wirkung betroffen sind. Sinken die Werte zu stark, muss der Arzt unter Umständen die Dosierung anpassen. Die Blutwerte erholen sich dann normalerweise rasch wieder. Außerdem kann es während der Therapie mit dem JAK-Inhibitor zu Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Durchfälle, Blähungen, Verstopfung) kommen. Auch die Anfälligkeit für Infektionen kann erhöht sein.4

1 Primäre Myelofibrose. Onkopedia Website. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/primaere-myelofibrose-pmf/. Stand Dezember 2018.
2 Herold, G. Innere Medizin 2019. Köln: Selbstverlag; 2018.
3 Zentrales Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD). https://www.zkrd.de/grundlagen-der-spendersuche/
4 Primäre Myelofibrose. MPN-Netzwerk. https://www.mpn-netzwerk.de/fileadmin/dokumente/PMF_Broschuere_2018.pdf. 2018.